
Wir haben Johannes und Esther Frész (4 Kinder zwischen 9 und 15 Jahren) nach ihrem Umgang mit PC, sozialen Medien, Computer-Spielen, etc. gefragt.
Was ist euch als Eltern grundsätzlich wichtig?
Esther: Am Computer recherchieren zu können, ist notwendig. Unsere Kinder sollen Technik als Werkzeug verstehen, das ihnen hilft, sie aber nicht kontrolliert. Sie sollen sich gesund entwickeln können. Weil das kindliche Gehirn noch in der Entwicklung ist, ist es besonders suchtanfällig. Ich möchte es so lange wie möglich schützen.
Johannes: Eines unserer Erziehungsziele ist, dass die Kinder ein solides Wertefundament entwickeln und gute Entscheidungskriterien finden, auch für den Umgang mit den (digitalen) Medien.
E: Wir sind uns bewusst, dass unser Vorbild stark prägt. Deshalb achten wir auf unseren eigenen Umgang mit Medien. Letztendlich sind verantwortungsvolle Eltern der effektivste Kinderschutz im Internet.
J: Als Eltern sind wir aufsichtspflichtig. Das betrifft auch Aktivitäten der Kinder im Internet. Für illegale Inhalte, die Kinder konsumieren oder verfassen, können Eltern zur Rechenschaft gezogen werden, z.B. für Mobbing in Gruppenchats oder das Verschicken unangebrachter Bilder bzw. Videos.
Wie setzt ihr diese Grundsätze praktisch um?
J: Wir haben unsere Verantwortung thematisiert. Im Gespräch mit den Kindern entstand die Vereinbarung, dass wir von Zeit zu Zeit ihre Geräte durchsehen. Dabei sprechen wir über Inhalte von Filmen und Liedtexten, über die Weltanschauung und die Haltung zur Würde des Menschen, die zum Ausdruck kommen.
E: Wir setzen Zeitlimits. Bevor sich ein Kind an den Computer setzt, frage ich: »Was hast du vor und wie lange?« Als Eltern wollen wir Ermöglicher sein, müssen aber auch Grenzen setzen und es ertragen, manchmal als Spielverderber gesehen zu werden.
Handy/Smartphone ab wann?
J: Ich bin dafür, die Anschaffung eines Smartphones so lange wie möglich hinauszuzögern. Ein Handy zum Telefonieren, wenn Kinder alleine unterwegs sind, ist gut und nützlich.
E: Trotzdem bin ich dagegen, dass schon Grundschüler Handys haben müssen.
J: Teenagern ist es meist wichtig, mit Freunden und Mitschülern zu kommunizieren. Ein Total-Verbot finden wir dann nicht angemessen, aber auch keine Blanko-Erlaubnis. Weil Reifegrade und Interessensgebiete unterschiedlich sind, ist Begleitung und Aufsicht notwendig. Eines unserer Kinder bekam mit 12 Jahren ein Smartphone, u.a. für WhatsApp, dem anderen
konnten wir es schon mit 10 zutrauen.
Welche Grenzen setzt ihr?
E: Um ewige Diskussionen zu vermeiden, gilt bei uns: Montag bis Freitag wird nicht am Handy/I-Pad/PC gespielt. Unser 10-Jähriger erzählt oft von einem bestimmten Charakter in einem Spiel. Daran merke ich, wie sehr es ihn auch unter der Woche beschäftigt. Manchmal sehen wir zusammen am Abend ein Youtube-Video, das alle interessiert. Am Wochenende gibt es begrenzte Spiele-Zeit: Eine halbe bis eine Stunde, je nach Alter und wenn die Pflichten erledigt sind. Ausnahmen gibt es z.B. bei Krankheit, bei langen Autofahrten, oder als Belohnung für eine besondere Anstrengung. Familienmahlzeiten sind grundsätzlich Smartphone-freie Zeiten. Recherchen für die Schule oder für spezielle Interessen finden am PC im Wohn-Esszimmer statt. Hier habe ich im Blick, wer was wie lange macht. »Wonach suchst du?« ist eine Frage, die hilft das Thema festzulegen, für das dann auch etwas mehr Zeit erlaubt werden kann.
J: Technische Begrenzungen sind hilfreich. Für die Handys der Kinder erlauben wir keinen Zugriff auf Browser, YouTube, Instagram, Tiktok etc. Für spezielle Apps geben wir tägliche Zeiten pauschal frei, für andere erlauben wir auf Anfrage den einmaligen Zugriff. Für die Verwaltung der Freigaben werden unterschiedliche Apps angeboten. Bei Android gibt es die Verwaltungsapp Family-Link. Apple bietet die Möglichkeit, über die Bildschirmzeit Familien-Freigaben zu verwalten, man benötigt keine zusätzliche App. Daneben gibt es gute kostenpflichtige Apps, die umfangreichere Möglichkeiten bieten, z.B. auf www.salfeld.de.
Weil man nur mit Freunden kommunizieren kann, wenn sie denselben Messengerdienst nutzen, wurde es für unsere Großen irgendwann unumgänglich, WhatsApp zu nutzen, auch wenn leider jeder Teilnehmer einer Gruppe Zugriff auf die Telefonnummern aller Gruppenmitglieder hat. Damit haben die Kinder leider auch Zugang zur ganzen Welt der WhatsApp Kanäle, z.B. von Youtubern oder Fußballern. Für uns Eltern bedeutet dies, unsere Aufsichtspflicht noch stärker wahrnehmen zu müssen. Der Messengerdienst Telegram ist für unsere Kinder vorerst tabu. Er hat einen eingebauten Browser, d.h. man kann jeden gesendeten Link in der App selbst öffnen, auch wenn man den eigentlichen Browser im Handy in der Verwaltungsapp limitiert hat.
Einer von uns Eltern lässt sich sporadisch das Handy eines Kindes geben, um zu sehen was läuft. Besonders wichtig ist das bei den Schlaumeiern, die jede technische Barriere knacken. Ich gebe mir Mühe, den Überblick zu behalten, auch wenn ich nicht alles kontrollieren kann.
Welche Inhalte findet Ihr gut, und wie geht ihr mit fragwürdigen Inhalten um?
J: Wir schauen uns Apps immer an, bevor wir sie freischalten und diskutieren mit den Kindern darüber.
Bei Lern-Inhalten sind wir großzügig. Meist vermitteln sie Hilfreiches zu Fremdsprachen, Geschichte, oder Allgemeinwissen, z.B. Duolingo oder MrWissen2go. Je spezifischer eine App, desto besser. Unser Ältester hat z.B. eine Angel-App. Darüber tauscht er sich mit anderen Anglern über technische Fragen aus, oder sie vergleichen, wer den größten Fisch gefangen hat.
Wir schauen gerne Sachvideos, die auch unsere Teenies interessieren, z.B. über Outdoor-Themen oder Gesellschaftspodcasts.
E: Bei der Kategorie Unterhaltung (Videos und Spiele) sind wir restriktiver. Wir möchten nicht, dass die Aufmerksamkeit der Kinder so sehr vereinnahmt wird, dass sie vergessen, ihr eigenes Leben zu gestalten. Wenn sie ein Spiel unbedingt spielen wollen, weil alle Freunde davon begeistert sind (und wir darin einen hohen Suchtfaktor vermuten), nimmt sich der Papa Zeit, es mit ihnen zu spielen. Die Kinder lieben es – und das Darüber-Reden.
J: Gewaltvideos und Pornos kommen auf keines unserer Geräte. Wir haben einen Internet-Router gewählt, bei dem wir nicht-jugendfreie Inhalte blockieren. Das verhindert nicht, dass unerwünschte Angebote erscheinen, aber es reduziert sie erheblich. Medienstreaming und Browser laufen auf gemeinsam genutzten Geräten, und wir kontrollieren regelmäßig die Verläufe.
Zum Thema Kinderschutz im Internet ist die Webseite www.safersurfing.org zu empfehlen.
E: Wenn sich Kinder mit Freunden treffen, sprechen wir uns mit anderen Eltern ab. Unser 11-Jähriger lädt sich z.B. gerne Freunde ein. Dann schreibe ich den anderen Mamas und wir legen fest: Eine Stunde können sie an diesem Nachmittag am Handy spielen, den Rest der Zeit gehen sie raus oder machen etwas anderes, z.B. im Garten Fußball spielen. Sie sollen Zeit haben für das soziale Miteinander und nicht das echte Leben verpassen. Pre-Teens sind gerne körperlich aktiv. Wir tun ihnen etwas Gutes, wenn wir sagen: »Lass dein Handy hier!« Für Teenies steht der soziale Austausch im Vordergrund. Sie nutzen das Handy zum Chatten mit ihren Freunden. Will ein Kind bei einem Freund übernachten, finde ich Absprachen noch wichtiger. Grundsätzlich bin ich sehr vorsichtig, wem ich mein Kind über Nacht anvertraue.
J: Auch in der Schule ist es manchmal nötig, sich einzumischen. Unsere Tochter wollte z.B. einen Gruselfilm nicht mit anschauen und wir haben sie unterstützt. Eine frühere, ähnliche Situation in der Schule hatte ihr damals Albträume beschert und sie vorsichtig werden lassen.
Wie setzt ihr euch über Inhalte/Angebote mit den Kindern auseinander?
J: Wir möchten gerne ein gemeinsames Wertefundament erarbeiten. Dazu sind wir immer wieder im Gespräch, z.B. darüber, wie Frauen in Filmen dargestellt werden, oder was Begriffe aussagen (Stichwort: Hassrede oder Schimpfworte). So legen wir gemeinsam Richtlinien fest, deren Einhaltung auch jeder einfordern darf.
E: Bei Filmen finde ich es am schwierigsten, weil Botschaften subtil vermittelt werden. Ich bin froh, dass unsere Großen ziemlich wertebewusst sind und spezielle Interessen haben. Das macht manches uninteressant, was andere anschauen. Eine Gelegenheit, über fragwürdige Inhalte zu reden, ergibt sich, wenn die Kinder wissen wollen, weshalb sie etwas nicht dürfen. An Halloween sprechen wir z.B. darüber, dass Gruseln und Angst niemand guttun, auch Erwachsenen nicht.
J: Auch Musik ist ein großes Thema. Uns haben die Eltern früher schöne CDs geschenkt, jetzt kann man sich über Musik-Streaming-Dienste alles Mögliche und Unmögliche anhören. Den Grundschülern gaben wir eine Playlist mit Liedern, die sie hören durften. Mittlerweile geht es mehr darum, über Inhalte zu reden. Ab und zu setzt sich ein Elternteil mit einem Kind aufs Sofa: »Komm, wir gucken mal durch deine Musik-Liste!«. Was sagen die Texte? Sind sie gut? Sind sie depressiv oder respektlos? Bei den Streaming-Diensten kann man sich meist den Text anzeigen lassen. Manchmal drücken wir auch auf Pause und sagen bei englischen Texten: »Das übersetze ich jetzt mal ins Deutsche«.
Selbst bei beliebten Hörspielen mussten wir feststellen, dass manche richtig düster sind und die Sprache aggressiv ist. Wir reden mit den Kids und machen ihnen gute Alternativen zugänglich. Wertvolle Hörspiele sollen sie nicht verpassen.
All unser Bemühen bedeutet nicht, dass es bei uns immer perfekt funktioniert, aber wir strengen uns an, uns proaktiv mit dem Medienkonsum unserer Kinder auseinanderzusetzen und unsere Kinder so gut wie möglich zu coachen.
Johannes und Esther Frész sind Mitarbeiter im Lobpreishaus Dresden. Johannes ist Musiker. Sie
sind Eltern von vier Kindern im Alter von 15, 13, 11 und 9 Jahren.
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